7 Imintji / Bell Gorge

Der Weg von El Questro nach Imintji ist die Gibb River Road, die ursprünglich für den Viehtransport angelegte Verbindungspiste zwischen Darwin und Broome. Um die 420 km auf der Piste, nix Asphalt. 3 oder 4 Roadhouses, ansonsten nix, gar nix. Die Luft haben wir ja schon in den Reifen reduziert, also kann es losgehen. 420 km mit einem geplanten Schnitt von 60 km gibt immerhin gut 7 Stunden. Auch wenn wir schon so gegen 7 unterwegs sind, es wird ein langer und heisser Tag werden.

Die Landschaft ist, für diese grossen Distanzen, immer noch relativ abwechslungsreich. Die roten Sandsteinberge, die sich über viele Kilometer lang hinziehen, bieten immer wieder Abwechslung für‘s Auge. Der Strassenbelag wechselt alle paar Kilometer von rotem Sand über grauen Fels/Stein, Schotter, mal ein Bach zu durchqueren. Autos begegnen uns praktisch keine, kein einziger Roadtrain kommt uns entgegen oder taucht vor uns auf.

Kurz vor unserem nächsten Ziel, dem Imintji Campground, wollten wir im Mt Barnett Roadhouse noch tanken und vor allem unsere Wasservorräte auffüllen. Wir hatten zwar unseren „Wasserbunker“ im Trailer in Kunurra gut gefüllt, waren ja aber seitdem ein paar Tage unterwegs. Der Bunker war schon ziemlich leer, und weitere 3 Tage ohne Supermarkt standen auf dem Programm.

OK, Mt Barnett war zu, Tankstelle und Roadhouse/Shop. Ist ja nicht schlimm, dachten wir. Auf unserem Campground Imintji gibt es auch alles. Also machen wir doch die restlichen knapp 100 und füllen da alles auf. Im Shop da sollten wir auch unsere knappen Essensvorräte um das eine oder andere Grundnahrungsmittel erweitern können.

Die Rezeption des Iminitji Campground liegt im gleichnahmigen „Weiler“ der hier ansässigen Aborignines, eine typische Siedlung, wie wir sie schon oft gesehen haben. Für unser Auge wenig attraktiv, Wellblech, Sand und Autofracks. Im ersten Moment denken wir, der Campground ist auch hier in der Siedlung. An der geschlossenen Rezeption ist ein Telefon, ein richtig altes öffentliches Münztelefon. Über den Apparat kann man den Chef erreichen –  wenn er abnimmt. Bei uns nicht. Irgendwie stehen wir hier ein wenig verloren rum, bis eine wenig an uns interessierte Frau kommt und die Rezeption aufschliesst. Beim Check-In erklärt sie uns, dass die Tankstelle geschlossen ist – Saison ist vorbei. Diesel bekommen wir hier nicht mehr. Der Laden ist übrigens auch zu, wir können nur noch das kaufen, was noch da ist. Da ist aber eigentlich gar nix mehr, vor allem Dingen kein Wasser. Dann merken wir (also ich …), dass unser Plan, von hier aus Bell Gorge und Windjana Gorge/Tunnel Creek in 2 Tagestouren zu machen, nur zur Hälfte geht. Bell Gorge ja, Tunnel Creek ist zu weit: sowohl zeitlich als auch wegen den Benzinreserven. Was also machen wir? 3 Übernachtungen wollten wir hier sein. Wir reduzieren mal auf 2 und sehen weiter. Irgendwie ist uns in dem Moment noch nicht so klar, wie sich das entwickeln könnte. Und ein bisschen Frust ist auch dabei, und wie das Campground hier wohl aussieht?

Dann kommt die Info: Das Campground ist 500 Meter die Gibb River weiter runter … also nicht hier im Weiler. Dort angekommen finden wir einen eigentlich gar nicht üblen Platz, halt viel Sonne. Drei andere Camper (eine Gruppe) sind bereits da, wir sind schon mal nicht alleine. Wir suchen uns einen der wenigen Stellplätze aus, und je mehr wir uns da einrichten, umso besser gefällt es uns sogar hier. Später, am Abend, unter dem Sternenhimmel, ist es richtig toll. Und der Sonnenaufgang mit den herrlichen Vögelstimmen gehört in der Beziehung zu den bisherigen Highlights.

Kurz, am Morgen sieht die Welt schon wieder viel besser aus, und es sollte sogar noch besser werden. Wir entscheiden uns, den Ausflug zur Bell Gorge zu machen und anschliessend direkt weiter nach Broome zu fahren, also nur eine Übernachtung auf dem Imintji Campground. Die Fahrt zur Bell Gorge ist wieder eine Schlamm-, Rote Erde-, Bachüberquerungspiste mit einem Schnitt von ca. 30 km/h. Am Ende steigen wir aus und Thomas merkt, dass er für heute seine Adiletten dabei hat – Sandalen und Laufschuhe sind im Trailer. Wir brechen mal auf, und es ist dann auch gar nicht so schlimm. Es ist ein zwar steiniger, aber einfacher Wanderweg, zu einem grossen Teil durch ein leeres Bachbett. Das „Half Way Pool“ ist ein Wasserbecken oberhalb des Wasserfalls, das nicht so richtig zum Baden einläd. Aber wir können schon runter ins eigentliche Becken gucken, und das sieht einfach nur fantastisch aus. Ein paar Leute sind im Wasser oder liegen auf den Felsen im Schatten. Um da hin zu kommen, müssen wir aber noch eine kleine Steigung nehmen und dann einen felsigen steilen Weg runter zum Becken hinter uns bringen. Unten angekommen werden wir schnell von einem Paar aus Solothurn eingewiesen, wo wir am besten auf dem Hosenboden ins Wasser rutschen und an welcher Stelle wir wieder gut rauskommen. Und jetzt ab ins Wasser, es ist ja auch schon wieder an die 40 Grad heiss. Auf einmal ist dieser Moment von gestern – kein Diesel, kein Wasser, Plan geht nicht auf – überhaupt kein Thema mehr. Die Welt ist ja so was von in Ordnung und alle und alles meinen es nur gut mit uns.

Eine gute Stunde sind wir hier, dann machen wir uns auf den Rückweg. Wir sind ja wieder kurz nach 7 am Morgen gestartet, jetzt ist es erst so gegen 10. Wir haben den Trailer auf dem Campground stehen gelassen. Auf den hat der Indianer vom Campingplatz mit Cowboystiefel (war ein Einwanderer, also wahrscheinlich Engländer) aufgepasst. Den holen wir jetzt und dann soll es weiter nach Broome gehen. Aber vorher mit Stopp in Derby: tanken und Wasser kaufen.